nach dem gendercamp ist vor dem gendercamp IV

Perspektiven

Morgen ist es dann soweit: Das GenderCamp 2012 startet.
Und eigentlich habe ich mich schon davon verabschiedet, noch einen Blogpost zu schreiben, denn es stehen wichtigere Dinge an und davon jede Menge.
Aber wie das gerne mal so ist: ich steh #kind-bedingt vor 8 Uhr in einer Küche und spüle gerade ein paar Sachen. Naja. Eigentlich mache ich das in dieser Kombi nie, denke aber jetzt darüber nach, es häufiger zu machen, denn offenbar kann ich recht gut dabei nachdenken. Wie auch beim Zähneputzen…doch ich schweife ab.
Auf jeden Fall hatte ich eine simple, aber für mich wichtige Erkenntnis, die ich dringend noch runterschreiben möchte und damit die Reihe „nach dem gendecamp ist vor dem gendercamp“ beenden werde. Ist ja auch mal schön – so ein Projektabschluss.

Der Gedanke drehte sich um die Diskussionen und Konflikte im Rahmen des GenderCamps.
Das Camp ist in seinem dritten Jahr nun wirklich deutlich an einem anderen politischen und inhaltlichen Punkt angekommen. Denn zu Beginn war es ein freudiges Aufeinandertreffen von Personen, die irgendwas gegen Sexismus im Netz und überall und irgendwas mit Feminismus machen. Was erstmal sehr verbindend und teilweise auch empowernd gewirkt hat. Nur es bedeutet eben nicht, dass „wir“ deshalb die gleichen Ziele und Wege dorthin verfolgen. Was anfangs erstmal sehr in den Hintergrund gerückt war. „Wir wollen doch alle das Gleiche!“ – Nein wollen wir nicht. Und jetzt wird’s spannend!

Nach der Richtung der Perspektiven auf Strukturen außerhalb des Camps – die sexistische Kackscheiße da draußen™ – wurde die Perspektive gedreht oder vielmehr wurde eine weitere Perspektive gestärkt: die Perspektive auf sich selbst.
Das kommt nicht von ungefähr, denn auch an diversen Orten der feministischen Netzbewegung mit queeren Anteilen, wurde häufig die Raumfrage („für wen und/oder was soll dieser Raum eigentlich da sein?“) gestellt und Kritik an Strukturen innerhalb dieser Räume gestellt. Und dazu gehört eben logischerweise auch das GenderCamp.

Ich finde diesen Trend sehr erfreulich, denn Selbstkritik und -reflektion sorgt nicht nur dafür, dass Räume und Ansprüche an diese klarer benannt werden können, sondern schafft neue Anknüpfungspunkte für Solidarität und Kooperationen.
Es gibt viel, was wir voneinander zu lernen haben, und es wird noch viele Diskussionen und Konflikte und Ausschlüsse/Abgrenzungen an einigen Stellen geben. Aber ich habe den Eindruck, dass das für die Geschichte von Räumen immer dazugehört. Vielleicht sogar so, dass es einen Verlust des politischen Potenzials bedeutet, wenn es kein Hinterfragen und Auseinandersetzungen innerhalb eines Raumes mehr gäbe.

Was mich noch ein bisschen skeptisch macht, ist die hohe Geschwindigkeit, in der Räume debattiert, Diskussionen geführt und Ergebnisse/Standards (um)gesetzt werden. Bezogen auf die Debatten, die vor allem im Netzt geführt werden.
Für manche Auseinandersetzungen und Selbstfindungen braucht es Jahre. Und solche Prozesse, werden durch Diskussionen im Netzt stark abgekürzt. So stark, dass es meiner Meinung nach übersehen werden kann, dass Menschen und „Offline“-Räume Zeit für Veränderungen brauchen.
Vielleicht sind diese unterschiedlichen Zeitlichkeiten auch mit ein Grund, warum es schwer ist, über Netz-Zusammenhänge ein nachhaltiges Zusammenarbeiten möglich zu machen.
Noch ne steile These! :)
Das aber ist ein weiteres Thema und ich freue mich schon darauf, mich auf dem GenderCamp darüber austauschen zu können.


1 Antwort auf “nach dem gendercamp ist vor dem gendercamp IV”


  1. 1 Henning 16. Mai 2012 um 9:33 Uhr

    Ja, spannend wird’s bestimmt dieses Jahr. Ich bin echt froh, dass wir mehr Zeit haben als sonst, dann gibt es vielleicht auch weniger den Druck, das immer gleich alles sofort gelöst werden muss. Und: es gibt Chancen, Fehler am nächsten Tag nicht mehr zu machen und an sich selbst, den Räumen und den Beziehungen und Kommunikationsformen zu arbeiten.

    Ich persönlich hoffe, dass es dieses Jahr auch ein bisschen mehr gelingt, dass Leute miteinander sprechen, statt übereinander. Und der Mut auf allen Seiten da ist, Sachen anzusprechen, aber auch Kritik aufzunehmen. Und dass die Atmosphäre das auch allen erlaubt.

    Und: das GenderCamp 2013 wird dann noch toller… :)

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