nach dem gendercamp ist vor dem gendercamp III

Eine Runde #hach

Da ich ja auch „Schönes“ vom GenderCamp in meinen Artikeln versprochen habe, das aber in den ersten beiden Posts zu kurz gekommen ist, werde ich dem mal gezielter nachkommen.
Es passt auch recht gut zu meiner gespannten Aufregung, die sich nun langsam breitmacht. Gerade nimmt vieles im Hintergrund Form an und es bekommt alles wieder mehr Realitätsbezug, wenn Sachen „nächste Woche“ dann am Start sein sollen.

Für mich wirklich unschlagbar ist der Themen- und Aktions-Mix, der beim GenderCamp geboten wird. Und der einfach so durch die Interessen, Erfahrungen und Fähigkeiten der Leute, die auf dem Camp waren, entstanden ist. So habe ich gebastelt, verkabelt, diskutiert, zugehört, reflektiert, gefeiert, gestaunt und mich gefreut. Der Themen-Mix beinhaltete für mich D.I.Y., Netzpolitisches, Technikaffines, Popkulturelles und Akademisches (auch wenn das jetzt sehr künstliche Abtrennungen voneinander darstellt). Wirklich bezaubernd!

Magisch waren auch die Momente des Aufeinandertreffens von Menschen, die sich entweder noch gar nicht oder nur über das Netz kannten. Neugierig und unwissend, ob man sich was zu sagen haben wird. Es gab zum Glück ausreichend Gesprächsstoff.

Für mich war das GenderCamp ein ständiges „Ach DU bist das!“ und leider auch eine große zum Scheitern verurteilte Aufgabe, mir plötzlich so viele Namen zu merken (miserables Namensgedächtnis!).
Die Begeisterung und Freude der Leute war spürbar, die bspw. in ihrem Alltag nicht viel feministischen netzaffinen Humancontant haben und sich – zumindest ein wenig – hineinfallen und beflügeln lassen konnten, um nach dem Camp ein bisschen gestärkter wieder in ihren Alltag zurückzukehren.

Allzuviele Menschen hab ich dann doch gar nicht kennengelernt, da meine eigene Zurückhaltungspraxis dem etwas entegegenläuft. Hierfür erzähle ich auch immer gerne die Geschichte von den Personen, mit denen ich mich 2 Jahre lang nicht auf dem Camp unterhalten habe (im Netz sehr wohl) und dieser Missstand dann mal jenseits des GenderCamps behoben werden musste. Es steht dann eben doch ein schnödes Neu-Kennenlernen an, wenn man sich das erste Mal begegnet.

Aber ich muss auch sagen, dass ich – was den sozialen Faktor angeht – von Anfang an eine recht entspannte Ausgangsposition hatte, da ich das zumindest ein Bisschen an der Orga des ersten Camps beteiligt war und unter den Teilnehmenden „alte“ Bekannte aus Uni-Zusammenhängen, Freund_Innen und Liebste anwesend waren.

Meine ganz eigene Glücks-Erfahrung hing mit dem Lern-Klima zusammen (wie wird mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Wissensständen umgegangen). Das war zwar auch keine durchgängige Erfahrung, aber für mich etwas sehr Wertvolles.
Ich fühl mich generell wohl, wenn um mich herum rumgenerded wird und ich im Zweifel nichts verstehe, worüber diese wunderbaren Menschen sich gerade so engagiert unterhalten. Aber so nach und nach etwas darüber zu lernen, weil dann doch nochmal bestimmte Begriffe nachgefragt und gerne beantwortet wurden, war auch ein schönes Erlebnis. Denn gerade, wenn es um technische Fähigkeiten ging, habe ich ein Wohlfühllevel bei mir wahrgenommen, das sich vor allem daraus speiste, dass einer Gruppe von Menschen etwas grundlegend erklärt werden konnte – ohne das qua geschlechtlicher Zuordnung gewisse Fähigkeiten zu oder abgesprochen wurden.
Das sollte eigentlich selbstverständlich sein – ist es aber nicht. Umsomehr ein Kompliment für das GenderCamp einen Raum für das enstehen lassen zu können. Und ich hoffe, dass auch in Zukunft dieser Raum immer häufiger und langanhaltender auf dem Camp geschaffen werden kann.

Unter anderem dafür – und wie das Camp sonst noch ein Ort umsichtigeren Miteinanders werden kann – hat ein kleiner Haufen von GenderCamper_Innen die letzten Monate sich zusammen viele Gedanken gemacht und Ideen umgesetzt. Ich bin Teil dieses Haufens und es hat mir ein weiteres Mal gezeigt, was für wunderbare Menschen durch das GenderCamp zusammengekommen sind und welche tollen Projekten wir zusammen auf die Beine stellen können. #hach