nach dem gendercamp ist vor dem gendercamp II

Sich das Beste zum Schluss aufheben oder: Abschlussplena abschaffen!

Wie schon im Post davor erwähnt, versagt mein sonst so *räusper* messerscharfer Verstand bei der Aufgabe, ein umfassendes Feedback zu etwas abzugeben und geht in solchen Momenten gerne in einer Hüpfburg spielen:*doiiiiingdoiiing*soooo schön buuuunt!*doiiiiingdoiiiiiing*.

Ich überspiele dieses individuelle Problem und frage mich: Dürfen manche wohlgehüteten Geheimnisse eigentlich erst ganz am Schluss gelüftet werden? Warum nicht also mal diese Abschlussplena-Kultur in Frage stellen? Dadurch werden nämlich für mich gleich zwei veränderbare Aspekte für eine Veranstaltung wie das Gendercamp greifbarer.

Stellt euch vor, es gäbe einfach keine Feedbackrunde am Ende, wo einige erzählen, was sie gut und blöd fanden! Ja, das Essen war gut, es war viel zu wenig Zeit, ein Dank an die tolle Orga, die Getränke waren recht teuer, gerne mehr Pausen,… Weg! Ersatzlos gestrichen!

Wir wären vielleicht etwas mehr angehalten, Lob und Kritik währenddessen(!) einzubringen und – und das ist mein Lieblingsteil – wir hätten noch mehr Möglichkeit auf den aktuellen Ablauf direkt Einfluss zu nehmen.

So hätte es beispielsweise auf die Frage beim vergangenen GenderCamp, ob das Camp immer in Hüll und in Norddeutschland stattfinden müsse, erstens keine so desaströse Reaktionen geben müssen (bei einer Mischung aus Müdig- und Gereiztheit) und zweitens hätte es auf dem Camp selbst mehr Raum bekommen können. Es hätten sich Leute finden können, die die GenderCamp-Idee an einem anderen Ort auch umsetzen möchten. Oder es hätte eine Ideensammel-Session zu gendercamp-verwandten Veranstaltungen und deren Organisation geben können.

Fragen und Kritik haben die Chance verdient, noch auf dem Camp selbst zu reifen und überhaupt mal bei mehreren Leuten anzukommen.

Dann stellt sich aber schon auch die Frage, wo organisatorisch Räume geschaffen gewerden können, in denen Lob und Kritik direkt verhandelt werden kann. Reicht dafür ein Plenum am Tag aus, in dem eigentlich hauptsächlich der Zeitplan mit gefüllt wird? Eine Pinnwand? Kleinere Gesprächsrunden?

Und da schließt sich der zweite Aspekt daran an. Die Lob- und Kritikkultur. Die Fähigkeit, Lob und Kritik gut äußern und ebenso gut annehmen zu können. Dass muss gelernt und geübt werden und kommt wie alles andere auch nicht von alleine zu einer Veranstaltung geflattert.

Auch hier kann Zeit wieder für uns arbeiten: wenn etwas zeitnah kritisiert wird (was nicht immer möglich ist), kann ich das erstmal nehmen und mir Gedanken dazu machen, vielleicht nochmal mit jemanden darüber reden und dann reagieren und bspw. Erkenntnisse in mein Verhalten enfließen lassen. Wie ich finde, ein recht wertvoller Prozess.

Mehr Mut an allen Ecken ist gefragt! Mehr Mut, Kritik zu üben. Mehr Mut, Kritik anzunehmen. Mehr Mut, alternative Strukturen für direkte Einflussnahme zu schaffen.

Der messerscharfe Verstand darf dafür dann auch wieder aus dem Bälleparadies eingesammelt werden.


1 Antwort auf “nach dem gendercamp ist vor dem gendercamp II”


  1. 1 Henning 08. Mai 2012 um 9:25 Uhr

    schöne Idee… Ich hatte auch schon überlegt, ob wir nicht das Abschlussfeedback zugunsten einer non-verbalen Methode ändern sollten (da gibt es einige nette Methoden). … Aber du hast recht. Das muss gar nicht unbedingt am Ende statt finden. …
    Z.B. könnten wir auch drei Pinnwand(spalten) bereitstellen: „Lob“, „Kritik“, „Anregungen“ oder so…
    Und vielleicht lässt sich ja auch die Kulturtechnik des ausführlichen schriftlichen Feedbacks in Blogposts, Briefen, E-Mails oder anonymen Pastebin-Einträgen ausbauen?

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