Archiv für Mai 2012

nach dem gendercamp ist vor dem gendercamp IV

Perspektiven

Morgen ist es dann soweit: Das GenderCamp 2012 startet.
Und eigentlich habe ich mich schon davon verabschiedet, noch einen Blogpost zu schreiben, denn es stehen wichtigere Dinge an und davon jede Menge.
Aber wie das gerne mal so ist: ich steh #kind-bedingt vor 8 Uhr in einer Küche und spüle gerade ein paar Sachen. Naja. Eigentlich mache ich das in dieser Kombi nie, denke aber jetzt darüber nach, es häufiger zu machen, denn offenbar kann ich recht gut dabei nachdenken. Wie auch beim Zähneputzen…doch ich schweife ab.
Auf jeden Fall hatte ich eine simple, aber für mich wichtige Erkenntnis, die ich dringend noch runterschreiben möchte und damit die Reihe „nach dem gendecamp ist vor dem gendercamp“ beenden werde. Ist ja auch mal schön – so ein Projektabschluss.

Der Gedanke drehte sich um die Diskussionen und Konflikte im Rahmen des GenderCamps.
Das Camp ist in seinem dritten Jahr nun wirklich deutlich an einem anderen politischen und inhaltlichen Punkt angekommen. Denn zu Beginn war es ein freudiges Aufeinandertreffen von Personen, die irgendwas gegen Sexismus im Netz und überall und irgendwas mit Feminismus machen. Was erstmal sehr verbindend und teilweise auch empowernd gewirkt hat. Nur es bedeutet eben nicht, dass „wir“ deshalb die gleichen Ziele und Wege dorthin verfolgen. Was anfangs erstmal sehr in den Hintergrund gerückt war. „Wir wollen doch alle das Gleiche!“ – Nein wollen wir nicht. Und jetzt wird’s spannend!

Nach der Richtung der Perspektiven auf Strukturen außerhalb des Camps – die sexistische Kackscheiße da draußen™ – wurde die Perspektive gedreht oder vielmehr wurde eine weitere Perspektive gestärkt: die Perspektive auf sich selbst.
Das kommt nicht von ungefähr, denn auch an diversen Orten der feministischen Netzbewegung mit queeren Anteilen, wurde häufig die Raumfrage („für wen und/oder was soll dieser Raum eigentlich da sein?“) gestellt und Kritik an Strukturen innerhalb dieser Räume gestellt. Und dazu gehört eben logischerweise auch das GenderCamp.

Ich finde diesen Trend sehr erfreulich, denn Selbstkritik und -reflektion sorgt nicht nur dafür, dass Räume und Ansprüche an diese klarer benannt werden können, sondern schafft neue Anknüpfungspunkte für Solidarität und Kooperationen.
Es gibt viel, was wir voneinander zu lernen haben, und es wird noch viele Diskussionen und Konflikte und Ausschlüsse/Abgrenzungen an einigen Stellen geben. Aber ich habe den Eindruck, dass das für die Geschichte von Räumen immer dazugehört. Vielleicht sogar so, dass es einen Verlust des politischen Potenzials bedeutet, wenn es kein Hinterfragen und Auseinandersetzungen innerhalb eines Raumes mehr gäbe.

Was mich noch ein bisschen skeptisch macht, ist die hohe Geschwindigkeit, in der Räume debattiert, Diskussionen geführt und Ergebnisse/Standards (um)gesetzt werden. Bezogen auf die Debatten, die vor allem im Netzt geführt werden.
Für manche Auseinandersetzungen und Selbstfindungen braucht es Jahre. Und solche Prozesse, werden durch Diskussionen im Netzt stark abgekürzt. So stark, dass es meiner Meinung nach übersehen werden kann, dass Menschen und „Offline“-Räume Zeit für Veränderungen brauchen.
Vielleicht sind diese unterschiedlichen Zeitlichkeiten auch mit ein Grund, warum es schwer ist, über Netz-Zusammenhänge ein nachhaltiges Zusammenarbeiten möglich zu machen.
Noch ne steile These! :)
Das aber ist ein weiteres Thema und ich freue mich schon darauf, mich auf dem GenderCamp darüber austauschen zu können.

nach dem gendercamp ist vor dem gendercamp III

Eine Runde #hach

Da ich ja auch „Schönes“ vom GenderCamp in meinen Artikeln versprochen habe, das aber in den ersten beiden Posts zu kurz gekommen ist, werde ich dem mal gezielter nachkommen.
Es passt auch recht gut zu meiner gespannten Aufregung, die sich nun langsam breitmacht. Gerade nimmt vieles im Hintergrund Form an und es bekommt alles wieder mehr Realitätsbezug, wenn Sachen „nächste Woche“ dann am Start sein sollen.

Für mich wirklich unschlagbar ist der Themen- und Aktions-Mix, der beim GenderCamp geboten wird. Und der einfach so durch die Interessen, Erfahrungen und Fähigkeiten der Leute, die auf dem Camp waren, entstanden ist. So habe ich gebastelt, verkabelt, diskutiert, zugehört, reflektiert, gefeiert, gestaunt und mich gefreut. Der Themen-Mix beinhaltete für mich D.I.Y., Netzpolitisches, Technikaffines, Popkulturelles und Akademisches (auch wenn das jetzt sehr künstliche Abtrennungen voneinander darstellt). Wirklich bezaubernd!

Magisch waren auch die Momente des Aufeinandertreffens von Menschen, die sich entweder noch gar nicht oder nur über das Netz kannten. Neugierig und unwissend, ob man sich was zu sagen haben wird. Es gab zum Glück ausreichend Gesprächsstoff.

Für mich war das GenderCamp ein ständiges „Ach DU bist das!“ und leider auch eine große zum Scheitern verurteilte Aufgabe, mir plötzlich so viele Namen zu merken (miserables Namensgedächtnis!).
Die Begeisterung und Freude der Leute war spürbar, die bspw. in ihrem Alltag nicht viel feministischen netzaffinen Humancontant haben und sich – zumindest ein wenig – hineinfallen und beflügeln lassen konnten, um nach dem Camp ein bisschen gestärkter wieder in ihren Alltag zurückzukehren.

Allzuviele Menschen hab ich dann doch gar nicht kennengelernt, da meine eigene Zurückhaltungspraxis dem etwas entegegenläuft. Hierfür erzähle ich auch immer gerne die Geschichte von den Personen, mit denen ich mich 2 Jahre lang nicht auf dem Camp unterhalten habe (im Netz sehr wohl) und dieser Missstand dann mal jenseits des GenderCamps behoben werden musste. Es steht dann eben doch ein schnödes Neu-Kennenlernen an, wenn man sich das erste Mal begegnet.

Aber ich muss auch sagen, dass ich – was den sozialen Faktor angeht – von Anfang an eine recht entspannte Ausgangsposition hatte, da ich das zumindest ein Bisschen an der Orga des ersten Camps beteiligt war und unter den Teilnehmenden „alte“ Bekannte aus Uni-Zusammenhängen, Freund_Innen und Liebste anwesend waren.

Meine ganz eigene Glücks-Erfahrung hing mit dem Lern-Klima zusammen (wie wird mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Wissensständen umgegangen). Das war zwar auch keine durchgängige Erfahrung, aber für mich etwas sehr Wertvolles.
Ich fühl mich generell wohl, wenn um mich herum rumgenerded wird und ich im Zweifel nichts verstehe, worüber diese wunderbaren Menschen sich gerade so engagiert unterhalten. Aber so nach und nach etwas darüber zu lernen, weil dann doch nochmal bestimmte Begriffe nachgefragt und gerne beantwortet wurden, war auch ein schönes Erlebnis. Denn gerade, wenn es um technische Fähigkeiten ging, habe ich ein Wohlfühllevel bei mir wahrgenommen, das sich vor allem daraus speiste, dass einer Gruppe von Menschen etwas grundlegend erklärt werden konnte – ohne das qua geschlechtlicher Zuordnung gewisse Fähigkeiten zu oder abgesprochen wurden.
Das sollte eigentlich selbstverständlich sein – ist es aber nicht. Umsomehr ein Kompliment für das GenderCamp einen Raum für das enstehen lassen zu können. Und ich hoffe, dass auch in Zukunft dieser Raum immer häufiger und langanhaltender auf dem Camp geschaffen werden kann.

Unter anderem dafür – und wie das Camp sonst noch ein Ort umsichtigeren Miteinanders werden kann – hat ein kleiner Haufen von GenderCamper_Innen die letzten Monate sich zusammen viele Gedanken gemacht und Ideen umgesetzt. Ich bin Teil dieses Haufens und es hat mir ein weiteres Mal gezeigt, was für wunderbare Menschen durch das GenderCamp zusammengekommen sind und welche tollen Projekten wir zusammen auf die Beine stellen können. #hach

nach dem gendercamp ist vor dem gendercamp II

Sich das Beste zum Schluss aufheben oder: Abschlussplena abschaffen!

Wie schon im Post davor erwähnt, versagt mein sonst so *räusper* messerscharfer Verstand bei der Aufgabe, ein umfassendes Feedback zu etwas abzugeben und geht in solchen Momenten gerne in einer Hüpfburg spielen:*doiiiiingdoiiing*soooo schön buuuunt!*doiiiiingdoiiiiiing*.

Ich überspiele dieses individuelle Problem und frage mich: Dürfen manche wohlgehüteten Geheimnisse eigentlich erst ganz am Schluss gelüftet werden? Warum nicht also mal diese Abschlussplena-Kultur in Frage stellen? Dadurch werden nämlich für mich gleich zwei veränderbare Aspekte für eine Veranstaltung wie das Gendercamp greifbarer.

Stellt euch vor, es gäbe einfach keine Feedbackrunde am Ende, wo einige erzählen, was sie gut und blöd fanden! Ja, das Essen war gut, es war viel zu wenig Zeit, ein Dank an die tolle Orga, die Getränke waren recht teuer, gerne mehr Pausen,… Weg! Ersatzlos gestrichen!

Wir wären vielleicht etwas mehr angehalten, Lob und Kritik währenddessen(!) einzubringen und – und das ist mein Lieblingsteil – wir hätten noch mehr Möglichkeit auf den aktuellen Ablauf direkt Einfluss zu nehmen.

So hätte es beispielsweise auf die Frage beim vergangenen GenderCamp, ob das Camp immer in Hüll und in Norddeutschland stattfinden müsse, erstens keine so desaströse Reaktionen geben müssen (bei einer Mischung aus Müdig- und Gereiztheit) und zweitens hätte es auf dem Camp selbst mehr Raum bekommen können. Es hätten sich Leute finden können, die die GenderCamp-Idee an einem anderen Ort auch umsetzen möchten. Oder es hätte eine Ideensammel-Session zu gendercamp-verwandten Veranstaltungen und deren Organisation geben können.

Fragen und Kritik haben die Chance verdient, noch auf dem Camp selbst zu reifen und überhaupt mal bei mehreren Leuten anzukommen.

Dann stellt sich aber schon auch die Frage, wo organisatorisch Räume geschaffen gewerden können, in denen Lob und Kritik direkt verhandelt werden kann. Reicht dafür ein Plenum am Tag aus, in dem eigentlich hauptsächlich der Zeitplan mit gefüllt wird? Eine Pinnwand? Kleinere Gesprächsrunden?

Und da schließt sich der zweite Aspekt daran an. Die Lob- und Kritikkultur. Die Fähigkeit, Lob und Kritik gut äußern und ebenso gut annehmen zu können. Dass muss gelernt und geübt werden und kommt wie alles andere auch nicht von alleine zu einer Veranstaltung geflattert.

Auch hier kann Zeit wieder für uns arbeiten: wenn etwas zeitnah kritisiert wird (was nicht immer möglich ist), kann ich das erstmal nehmen und mir Gedanken dazu machen, vielleicht nochmal mit jemanden darüber reden und dann reagieren und bspw. Erkenntnisse in mein Verhalten enfließen lassen. Wie ich finde, ein recht wertvoller Prozess.

Mehr Mut an allen Ecken ist gefragt! Mehr Mut, Kritik zu üben. Mehr Mut, Kritik anzunehmen. Mehr Mut, alternative Strukturen für direkte Einflussnahme zu schaffen.

Der messerscharfe Verstand darf dafür dann auch wieder aus dem Bälleparadies eingesammelt werden.

nach dem gendercamp ist vor dem gendercamp I

Jetzt bloggt sie auch noch!
Ja, vielleicht ist es nicht die ressourcenschonendste Idee, dass ich in der finalen Phase der Gendercamp-Vorbereitungen anfange zu bloggen.
Aber ich bin so furchtbar schlecht in zeitnahen Rückblicken und Zusammenfassungen, dass ich neulich den Einfall hatte, einfach ein paar Sachen, die ich loswerden möchte, VOR dem Camp zu posten.

Es wird mein drittes GenderCamp, das Zweite, das ich mitorganisiere und das Erste, das ich so intensiv mitvorbereite. Mehr schreibe ich erstmal lieber nicht darüber, um sicherzugehen auch noch andere Inhalte unterzubringen.

Was ich hier also versuche ist, bis zum Start des GenderCamps am 17.05.2012 in möglichst kleinen halb-wahllosen Häppchen, das Schöne, das Schwierige und ein bisschen das Ärgerliche zu benennen. Also eine nachbereitende Vorbereitung auf das Gendercamp 2012.

Und es geht los:

Was ist das mit dem Flausch und den Ponies?

Das Logo des diesjährigen GenderCamps orientiert sich am Logo der Zeichentrickserie „My little Pony: Friendship is Magic“ (die ich mir auch sehr gerne ansehe) und erhält dadurch viel Aufmerksamkeit, weil eine große Fan-Masse von erwachsenen Typen (hoher männlicher Nerd-Anteil) ausgemacht wird. Okay – zugegeben – das ist jetzt meine Interpretation davon. Da es aber nichts Neues ist, dass Zeichentrickserien von Erwachsenen gesehen werden, muss es wohl ein wenig an der Besonderheit liegen, dass es sich bei den Hauptponies, um weibliche Charaktere handelt.
Um das Ganze nicht zu einseitig darzustellen: ich liebe die Ponies und bro- oder sishoof an alle Fans…und allgemeine Anschau-Empfehlung! Aber ab und an lohnt es sich daran zu erinnern, dass es ein Jenseits von Ponyville gibt, in dem das mit der Freundschaft und der Magie noch nicht so gaaaanz gut klappt.

Ähnlich ist es mit dem Flausch, der momentan die Empathie-Währung auf Twitter darstellt. Da wird Flausch verteilt, wenn wer mal nen schlechten Tag hat, oder sich mit dem Hammer auf den Daumen gehauen hat oder eben gerade ne sexistische Kackscheiße erlebt hat.
Ich find sowas ja wichtig, wird das Medium Twitter doch sehr häufig genutzt, um das Schlechte dieser Welt anzuprangern und sich gemeinsam über Beispiele von Kackscheiße aufzuregen. Da braucht es ein Gegengewicht, und das stellt momentan der Flausch da.
Wie es nun aber auch schon den Hippies™ erging, sollte der Flausch nicht all unsere Sinne verdecken, da sonst ein weiteres Mal sehr machtvolle Strukturen (und damit auch Verhalten) überflauscht werden. Wenn ich mit verletztenden Strukturen in Berührung komme, schmiege ich mich gerne danach in Flausch (Die Welt ist nicht immer schlecht und so…), aber die Strukturen in Flausch zu packen, macht ungefähr soviel Sinn, wie nen Stein mit Schnee zum ummanteln: es trifft uns umso härter und unvorhergesehener.

Deswegen bin ich großer Fan – bei Veranstaltungen wie dem Gendercamp – von Pony-Weide-Abzäunen und rücksichtsvollem Flauschen …und von bildlichen Vergleichen :P

Ein Anfang dafür bietet bspw. der mir sehr am Herzen liegende Textschnipsel aus dem Ankündigungstext für das GenderCamp 2012:

„Diskriminierungen und Abwertungen aufgrund von Geschlecht, Sexualität, Alter, Herkunft, Hautfarbe, Körper, Aussehen und Bildung werden auf dem Camp nicht hingenommen! Persönliche Grenzen müssen respektiert werden!
Wenn das für Dich nicht selbstverständlich ist, bist Du auf dem GenderCamp nicht willkommen!“